Bildung für die Welt – ein Aufruf

6. February 2012 by iversity

von Hannes Klöpper

Der englische Originalbeitrag erschien unter dem Titel Let’s Make the Human Right to Education a Reality — A Call to Keyboards in der Huffington Post.

Revolutioniert digitale Technologie das Lernen? Diese Diskussion hat durch die Veröffentlichung von Apples Plan, akademische Lehrbücher auf dem iPad2 verfügbar zu machen, neuen Zündstoff erhalten. Dabei wird oft übersehen, welch revolutionäre Entwicklungen außerhalb von Apples Welt strangulierender Lizenzen und einzigartiger, aber teurer Hardware ablaufen.

Das neue iTunes U ist kein Durchbruch. Die Inhalte dort sind weder interaktiv noch sozial. Bildungsvordenker David Wiley hat recht, wenn er sagt: „Bräuchte man keine soziale Interaktion und andere Menschen, die einem Fragen beantworten können, hätte sich aus der Bibliothek nie die Universität entwickelt.“ 

Klar ist: Die althergebrachte Universitätsvorlesung ist keineswegs die ideale Möglichkeit, Studierenden etwas beizubringen – das geht heutzutage weitaus effektiver. Aber wohin geht die Reise? Wir brauchen jedenfalls mehr als den reinen Zugang zu Lernmaterialien. Wir müssen Gemeinschaften um akademische Inhalte herum bauen!

Stanford-Professor auf dem Weg zu neuen Ufern

Ein beeindruckendes Beispiel für den effektiven Einsatz von Technologie für universitäre Lehre hat Professor Sebastian Thrun mit seiner Vorlesung über Künstliche Intelligenz (KI) geliefert. Der Deutsche, der in Stanford lehrt, öffnete seine Vorlesung per Videoaufzeichnung Hörern in der ganzen Welt. Als im August 2011 die New York Times darüber berichtete, hatte seine Lehrveranstaltung noch 58.000 Hörer. Anfang Oktober waren es dann bereits über 130.000.

Bei der Digital Life Design Konferenz 2012 in München berichtete Thrun packend von der einzigartigen Dynamik: „Wir verbrachten nächtelang damit, uns auf Video aufzuzeichnen – und damit, mit Zehntausenden Studierenden zu sprechen. Freiwillige übersetzten unsere Vorlesungen in über 40 Sprachen; am Ende haben 23.000 Menschen aus 190 Ländern den Kurs komplett durchlaufen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Peter [Norvig] und ich mehr Studierende in KI unterrichtet haben als alle KI-Professoren der Welt zusammen.“

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=SkneoNrfadk?rel=0]

Seine Schlussfolgerung: „Ich habe das unglaubliche Potential von Bildung und Lehre erkannt. Es gibt kein Zurück. Es ist wie eine Droge. Ich werde nie wieder nur 200 Studenten in einem Hörsaal unterrichten können.“ Dass einer seiner Studenten in Afghanistan sich während der Hausaufgaben vor Mörsergranaten verstecken muss, jagt einem kalte Schauer über den Rücken – und lässt einen verstehen, warum Thrun beschloss, seine Professur in Stanford aufzugeben, um sich vollständig darauf zu konzentrieren, diese neue Form von Open Courses anzubieten. Das Beispiel Salman Khan zeigt, wie eine einzelne Person sogar Millionen von Menschen unterrichten kann – nur mit einer Webcam und einem digitalen Notizblock.

 

Ohne Digitale Lehrformate geht es nicht 

In Ländern wie Indien haben nur fünf Prozent der Bevölkerung überhaupt Zugang zu Hochschulbildung. Wiley betont, dass die Verwendung von Technologie hier schlichtweg unumgänglich ist, da „die Zahl der Menschen, die Zugang zu Hochschulbildung verlangen, sich verdoppeln wird. Allein in Indien bedeutete das 2400 Hochschulen innerhalb der kommenden 25 Jahre.“ Eine neue Universität alle 14 Tage! Selbst wenn es möglich wäre, die entsprechenden Gebäude zu errichten – wer bitte soll dort lehren?

Ohne Peer-to-peer-Lehre und Benotung wird es nicht funktionieren, den Bedarf zu decken. Shai Reshef, der Gründer der University of the Pople, verkündete kürzlich: The Tragedy of Those Shut Out of Higher Education: It Needn’t be Anymore. Für die von ihm gegründete, vollständig virtuelle Universität berichtet er von einer „Zufriedenheitsrate unter den Studierenden von über 90%“.

 

Entwicklungshilfe in der globalen Wissensgesellschaft – Helfen Sie mit!

In seinem TED-Vortrag berichtete Sugata Mitra über die ‚Granny Cloud’: britische Rentnerinnen, die per Skype indischen Kindern Englisch beibringen. Dies ist die Entwicklungshilfe der globalen Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts!

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Wir von iversity haben deswegen beschlossen, nach diesem Vorbild eine Academic Cloud ins Leben zu rufen. Wir rufen Lehrende auf, sich bei uns zu melden, wenn auch sie offene Kurse unterrichten wollen.

Melden Sie sich einfach hier an: http://www.iversity.org/opencourses/signup

Lassen Sie uns Ihnen dabei helfen, Ihre Vorlesungen und Seminare für Interessierte in aller Welt zu öffnen: dies wäre ein bedeutender Sprung dahin, das Recht auf Bildung als Menschenrecht zu verwirklichen.